Es ist der 3. Mai 1996. Ein kleiner Junge namens Björn ist auf dem Rückweg vom Schwimmbad. Dabei wird er von einem Auto erfasst und stirbt auf dem Weg in Krankenhaus. Der Krankenwagen, der erst eine Stunde später eintrifft, obwohl er direkt nach dem Unfall von Passanten angefordert wurde, kann ihn zu dem Zeitpunkt nicht mehr retten. Zum Tod führten allerdings nicht seine Verletzungen, sondern ein Schock. Die Eltern von Björn Steiger beschließen, das so etwas nicht erneut passieren darf. Sie vernetzen sich auf politischer Ebene und gründen die Jörg-Steiger-Stiftung, mit dem Ziel die Notfallhilfe in Deutschland auszubauen. Sie haben Erfolg auf allen Ebenen: Maßgeblich trugen sie zu der Einführung einheitlicher Notrufnummern ein. Ein System, das in Deutschland entstand und sich schnell in der gesamten Welt verbreitete. Die Stiftung hat noch viele weitere Ziele erreicht: Die orangen Notrufsäulen, die alle 2 km an der Autobahn stehen, entstanden auf Initiative der Stiftung. Bis heute verbessert die Björn-Steiger-Stiftung die Notfallhilfe in Deutschland, inzwischen unter anderem durch Schulungen und den Verkauf und die Installation von Defibrillatoren.
Einer dieser Defibrillatoren hängt außerdem an unserer Schule. Diesen hat uns die Björn-Steiger-Stiftung, zusammen mit 15 Übungspuppen, einem Trainingsgerät, der zugehörigen Wandhalterung für den Defibrillator sowie Schulungen für Lehrkräfte zu dem Gerät, gestiftet. Er befindet sich neben dem Lehrerzimmer im ersten Stock. Es handelt sich um einen sogenannten „Automatisierten externen Defibrillator“ (kurz AED). Das ist ein sehr komplizierter Begriff. Deutlich einleuchtender ist der Name „Laiendefi“. Denn genau das ist ein AED: Ein Defibrillator, der dafür gemacht wurde, dass auch Menschen ihn benutzen können, die keine entsprechende Ausbildung haben. Er erkennt von selbst, ob ein Herzstillstand oder ähnliches vorliegt und in Folge, ob er einen Schock abgeben muss. Diesen gibt er aber nur auf Knopfdruck ab. Außerdem gibt der AED Audioanweisungen, wie er zu handhaben ist. Allerdings erkenne der Defibrillator selbst den Unterschied zwischen Kindern und erwachsenen nicht, so Frau El-Addad, die an unserer Schule für den Defibrillator zuständig ist. Das muss man also angeben. Als Kind gilt man hier übrigens, wenn man weniger als 8 Jahre alt ist. An unserer Schule dürften also alle "Erwachsen" sein.
Wenn man den Defibrillator aus der Halterung nimmt, geht zuerst ein Alarm los, der dem eines Auto ähnelt. Davon soll man sich im Notfall aber nicht abschrecken lassen. Denn bei einem Herzstillstand zählt jede Minute: Schon nach vier Minuten kann ein Herzstillstand bleibende Schäden hinterlassen. Der Alarm ist auch nicht an den Notruf gekoppelt, so Frau El-Addad, warnt allerdings Lehrkräfte, die dann einen Krankenwagen rufen sollen: „Deshalb ist der Kasten auch neben dem Lehrerzimmer platziert.“ Auch soll man nicht zögern, den AED einzusetzen. Bisher haben zwar erst ein Großteil der Biologie- und Sportfachlehrkräfte eine Schulung mit dem Gerät bekommen, im Notfall solle aber dennoch jeder benutzen. Das Gerät ist aus genau diesem Grund automatisiert und „gibt genaue Anweisungen, damit im Notfall immer geholfen werden kann“. Eine Schulung für Schüler*innen soll außerdem nach und nach im Biologie- und Sportunterricht durchgeführt werden.
Der AED ist übrigens öffentlich. Man kann ihn auf https://www.steiger-stiftung.de/was-wir-tun/herzsicher/standorte-aed/ unter den gelisteten Defibrillatoren finden. Sollte also jemand vor der Schule einen Herzstillstand erleiden, kann es sein, dass der AED an unserer Schule benötigt wird.