Ein alter Koffer, vergilbte Fotos und Briefe mit fremder Handschrift – was für manche nur Ausstellungsstücke sind, ist für andere Familiengeschichte. Als unser Italienisch-Kurs (J2) die Ausstellung über die italienischen „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“ in Baden-Württemberg betrat, machten sich unsere deutsch-italienischen SchülerInnen auf eine Reise in die Vergangenheit – auf den Spuren ihrer Großeltern, ihrer Eltern und ein Stück weit auch auf den Spuren ihrer eigenen Identität.
Für ihre Lehrerin, Frau Casuccio, ist deshalb eine Führung durch die Ausstellung Pflicht. Sie handelt von dem vor knapp 70 Jahren beschlossenen deutsch-italienischen Anwerbeabkommen und zeigt eindrucksvoll, wie in den 1950er- und 1960er-Jahren Hunderttausende Menschen vor allem aus dem armutsgeplagten Süden Italiens nach Baden-Württemberg und speziell in die Region Stuttgart auswanderten und hier eine neue Heimat fanden.
Die Ausstellung führt den Jugendlichen mit Fotos, Briefen, Dokumenten und persönlichen Gegenständen aber auch vor Augen, wie schwer der Anfang für viele war: neue Sprache, fremde Kultur, harte Arbeitsbedingungen und oft auch Heimweh. Schockierend sind auch die Bilder der Barackensiedlungen, in denen die ersten der sogenannten Gastarbeiter unterkamen. Gleichzeitig wird aber auch sichtbar, wie wichtig ihr Beitrag für den wirtschaftlichen Aufbau Baden-Württembergs war.
Für unsere SchülerInnen war es bewegend, Geschichten zu hören, die denen aus ihren eigenen Familien ähneln. Einige erkannten typische Erfahrungen wieder: das Ankommen in einem fremden Land, das Lernen einer neuen Sprache, das Gefühl, zwischen zwei Kulturen zu leben. In Gesprächen nach dem Rundgang erzählten viele von den Erlebnissen ihrer Großeltern oder Eltern und stellten fest, wie sehr diese Vergangenheit noch heute ihr eigenes Leben prägt.
Dieser Ausstellungsbesuch, so die Jugendlichen, habe gezeigt, dass Geschichte nicht nur in Büchern steht, sondern in Familien weiterlebt. Zudem wecke die Ausstellung Verständnis für Migration, kulturelle Vielfalt und stärke gegenseitigen Respekt. Für unsere Schule war dieser Tag ein wichtiger Beitrag dazu, die eigene Herkunft wertzuschätzen und die gemeinsame Geschichte in Baden-Württemberg besser zu verstehen.


