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Perspektiven wechseln - Demokratie stärken

Eine alternative Stadtführung führte die SchülerInnen der J1 zu den sozialen Brennpunkten unserer Stadt

Wo geht man auf die Toilette, wenn man kein Dach über dem Kopf hat? Obdachlosigkeit verstößt grundsätzlich gegen das im Grundgesetz verankerte Recht auf Menschenwürde. Was eignet sich also besser, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, als im Rahmen der Demokratiewoche eine alternative Stadtführung mit jemandem zu machen, der Obdachlosigkeit selbst erlebt hat und die sozialen Brennpunkte Stuttgarts bestens kennt?

Eine 30-köpfige Gruppe J1-SchülerInnen hatte vergangenen Dienstag die Gelegenheit, an dieser besonderen Stadtführung der Straßenzeitung Trott-war teilzunehmen. Der Rundgang wurde von Tommy Schuler, einem ehemaligen obdachlosen Stadtführer geleitet - ehrlich, ungeschönt und gerade deshalb besonders eindrücklich. Aus eigener Erfahrung berichtete er offen über sein Leben mit Alkoholabhängigkeit, Obdachlosigkeit und den schwierigen Weg zurück in ein geregeltes Leben.

An verschiedenen Stationen in der Stuttgarter Innenstadt stellte Tommy Einrichtungen vor, die Menschen in Not unterstützen – darunter die Vesperkirche, das Café La Strada, den Schlupfwinkel und weitere Hilfsangebote. Dabei machte er deutlich, mit welchen Herausforderungen obdachlose und suchtkranke Menschen täglich konfrontiert sind und welche Bedeutung soziale Unterstützung für einen Neuanfang hat.

Besonders eindrucksvoll war, dass die Führung nicht auf Sensationen setzte, sondern auf persönliche Begegnungen und authentische Einblicke. Drogensüchtige oder Obdachlose bekommt man auf der Führung allerdings nicht zu Gesicht. „Ich halte mit Absicht Abstand, damit sie sich nicht wie Affen im Zoo beäugt fühlen“, so Tommy. Stattdessen sprach er über Vorurteile, Ausgrenzung und die Ursachen von Sucht, ohne Betroffene zur Schau zu stellen. Seine Lebensgeschichte regte zum Nachdenken an und zeigte, wie wichtig Respekt, Mitgefühl und gesellschaftliche Verantwortung sind.

Die Stadtführung vermittelte den Schülerinnen und Schülern einen neuen Blick auf ihre Stadt und machte deutlich, dass Demokratie auch bedeutet, die Würde jedes Menschen zu achten und sich für ein solidarisches Miteinander einzusetzen.