Eine Woche lang tauchten die Leistungskurse Deutsch in die faszinierende Kultur- und Geschichte Weimars ein. Die traditionsreiche Stadt bot die ideale Kulisse, um Literatur, Kunst und Geschichte nicht nur im Unterricht zu behandeln, sondern unmittelbar vor Ort zu erleben. Dazu gehörte auch, dass sich die Jugendlichen mit dem Spannungsfeld zwischen Humanismus, Aufklärung und den dunklen Kapiteln deutscher Vergangenheit auseinandersetzten und dabei erfuhren, wie nah Kunst und Barbarei in der Geschichte beieinander liegen können. Denn schließlich ist Weimar eine Stadt, die wie kaum eine andere die deutsche Geschichte in all ihren Facetten widerspiegelt: Hier, wo einst Goethe und Schiller wirkten, wurde auch die erste deutsche Demokratie ausgerufen - und später ganz in der Nähe das Konzentrationslager Buchenwald errichtet.
Die Exkursion war dabei auch mit Blick auf das Abitur im kommenden Jahr besonders gewinnbringend. Das galt v.a. für die Installation „Konzert für Buchenwald“ von Rebecca Horn, eine international beachtete Arbeit, die als eines der bedeutendsten Beispiele zu dem Thema Holocaust in der zeitgenössischen Kunst in Deutschland gilt. In einem fensterlosen Raum türmen sich alte Instrumente und Lederkoffer auf Schienen. Begleitet wird dies von zwei Wänden voller Asche und einer Lore, die beständig gegen die Instrumente prallt, um stumm an die Opfer des Holocausts zu erinnern. Die beklemmende Atmosphäre, die die BesucherInnen hier empfinden, lässt sich schwer im Unterricht vermitteln, vor Ort jedoch ist sie unmittelbar erfahrbar.
Doch ist in Weimar noch ein weiteres Schwerpunktthema allgegenwärtig: die Literatur um 1800. Bei einer Führung durch das Goethehaus wurde das literarische Erbe der Stadt lebendig, ein Abstecher in die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek führte die Bedeutung Weimars als Ortes des Wissens und der Aufklärung deutlich vor Augen. Schiller, Herder und Wieland sind bis heute allgegenwärtig.
Im »Haus der Republik«, einer Bildungsstätte zur Weimarer Republik, setzten sich die jungen Erwachsenen intensiv mit Fragen rund um Demokratiegeschichte und gesellschaftliche Verantwortung auseinander. Zuvor hatten sie im Museum für Zwangsarbeit und in der Gedenkstätte Buchenwald erlebt, wie das menschenverachtende System der NS-Diktatur das Leben der Menschen zerstört hat. Kein Wunder, dass die Jugendlichen über den Ausgang der kommenden Landtagswahl in Thüringen debattierten und über mögliche gesellschaftliche Folgen sinnierten. Da passte es gut, dass zur Zeit das Yiddish Summer Festival in Weimar läuft. Dieses Festival hat sich zu einem der weltweit wichtigsten Sommerprogramme entwickelt, die traditionelle und zeitgenössische jiddische Kultur lehren, weiterentwickeln und einem Publikum präsentieren. Im Anschluss an den Tag in Buchenwald junge jüdische Künstler auf der Bühne zu sehen, stimmte zuversichtlich, dass Weimar auch in Zukunft ein weltoffene Stadt sein kann.


